Was ist Agilität?

Wissenswertes zum Thema

Was bedeutet Agilität

Agilität zählt zu den wichtigsten Management-Praktiken des frühen 21. Jahrhunderts. Agile Vorgehensweisen erleichtern die Wertschöpfung in einem komplexen Umfeld und ermöglichen Organisationen ein schnelleres Reagieren auf Veränderungen. In einer agilen Organisation steht der Kunde mit seinen Bedürfnissen im Zentrum und das Arbeitsumfeld ist geprägt von selbst-gemanagter Teamarbeit.

Der Begriff AGIL wurde vom amerikanischen Soziologen Talcott Parson in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts geprägt, als er ein neues systemtheoretisches Modell vorstellte. Inhaltlich besteht kein Zusammenhang zu den seit Anfang der 2000er-Jahre verbreiteten Begriffen Agile und Agilität.

Im Februar 2001 versammelten sich 17 Menschen, jeweils prägende Köpfe alternativer Software-Entwicklungsmethoden, in einem Bergresort in Utah (USA), um einen Kern zu formulieren, den ihre verschiedenen Ansätze gemeinsam haben. Entstanden ist das Manifest der Agilen Softwareentwicklung. Jeff Sutherland und Arie van Bennekum, beide vor Ort dabei, berichteten uns vor einigen Jahren, dass mehrere Begriffe zur Auswahl standen. Agile hat sich in einer Abstimmung am Ende des Treffens nur knapp gegen adaptive und flexible durchgesetzt. Der Rest ist Geschichte.

Geschichte von Agilität: Kanban, Scrum und Co.

Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks seit Ende der 80er-Jahre und mit dem Aufkommen des Internets Anfang der 90er-Jahre setzte in vielen Wirtschaftsbereichen eine ungebremste Dynamik ein. Parallel zu dieser Entwicklung entstanden Organisationsweisen, die heute häufig unter dem Begriff Agile Methoden zusammengefasst werden. Die Anfänge beginnen allerdings ein halbes Jahrhundert früher.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte Edwards Deming basierend auf den Ideen von Walter Shewhart den sog Demingkreis (o. Shewhart Cycle / PDCA-Zyklus). Gemeint ist ein vierphasiger Prozess, der immer wieder in sog. iterativen Schleifen durchlaufen wird. Adaption und Iteration zählen heute zu den zwei wichtigsten agilen Grundprinzipien.

1947 entwickelte Taiichi Ōno bei Toyota Motor Cooperation in Japan das sog. Kanban-System, eine moderne Form der Produktionsprozesssteuerung, das wenig später im sog. Toyota Production System aufging (in der westlichen Welt bekannt als Lean Development). Zwei wichtige Prinzipien in Kanban sind die Limitierung der parallelen Arbeit (WiP-Limit) und das Pull-Prinzip (Hol-Prinzip). Auch diese beiden Prinzipien prägen viele der heutigen genutzten agilen Vorgehensmodelle.

1986 veröffentlichten die beiden japanisch-stämmigen Professoren Hirotaka Takeuchi und Ikujiro Nonaka im renommierten amerikanischen Management-Magazin Harvard Business Review einen Artikel unter der Überschrift The New New Product Development Game, der auch zum Namensgeber für das heute am weitesten verbreitete agile Framework Scrum gilt. Der aus dem Rugby entlehnte Begriff Scrum wurde in diesem Beitrag im Kontext Produktentwicklung das erste Mal erwähnt. Die im Artikel beschriebenen sechs Prinzipien für erfolgreiche adaptive Wertschöpfung wurden ab 1993 von Jeff Sutherland und Ken Schwaber in einem neuen Framework namens Scrum veröffentlicht. Mit der Zeit kamen weitere Praktiken aus der Theory of Constraints (TOC), Lean Production, dem 3M-Modell, Kanban und Extreme Programming hinzu.

Agiles Manifest & Digitalisierung

Nach der Veröffentlichung des Manifests für die agile Softwareentwicklung im Jahr 2001, formierte sich in Folge eine weltweite Bewegung, die die Zusammenarbeit in Unternehmen aus dem Industriezeitalter in die digitale Neuzeit überführen wollte. Oft verbunden mit einer Kritik am sog. Taylorismus, dem „Betriebssystem der Industrialisierung“, das für die Entwicklung digitaler Güter und einer digital vernetzten globalen Wirtschaft nicht ausreichend geeignet ist.

Die zunehmende Verbreitung agiler Vorgehensweisen ist vor allem im Kontext der fortschreitenden Globalisierung und Digitalisierung der letzten 30 Jahre einzuordnen. Digitale Geschäftsmodelle haben sehr viele Branchen verändert und das lineare Wertschöpfungsparadigma vieler Industrieunternehmen an ihre Grenzen gebracht. Galten im Industriezeitalter Planbarkeit, Skalierbarkeit und Kosteneffizienz als wichtige Parameter für den Erfolg eines Unternehmens, sind heute vor allem Innovation, Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit Treiber des Erfolgs. Schnell auf neue Marktentwicklungen reagieren zu können, ist eine entscheidende Voraussetzung für Organisationen im Zeitalter der Digitalisierung.

Agile Werte & Prinzipien

Agilität ist nicht einfach nur eine andere Form der Arbeitsorganisation, die durch die Einführung bestimmter Tools und Methoden erreicht wird. Agilität ist im Kern ein Set von Werten und Prinzipien, die die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt stellen und die Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Mitarbeiter fordern und fördern.

Viele Unternehmen organisieren sich in ihrer Grundlogik weiterhin nach den Prinzipien des Scientific Management (Taylorismus), die F. W. Taylor Anfang des 20. Jahrhunderts publizierte. Die Unterteilung in geistige und körperliche Arbeit manifestiert sich bis heut in asymmetrischen Rollenbildern, bei denen Führungskräfte denken und steuern, und Angestellte ausführen.

Derweil sich eine Gesellschaft immer langsamer entwickelt als die Technologien, die sie hervorbringt, erleben wir im Westen einen rasanten kulturellen und gesellschaftlichen Wertewandel. Dieser Wandel, beschleunigt durch die Digitalisierung, verändert auch die Realität in den Unternehmen. Der progressive Wunsch nach Veränderung trifft dabei auf das konservative Bedürfnis nach Stabilität und Berechenbarkeit. Diese Pole bewegen sich in einem permanenten Widerstreit, was zu permanenten Aushandlungsprozessen führt und zwangsläufig zu einer permanenten Weiterentwicklung führt.

Neu sind die exponentiellen technologischen Entwicklungen und die weltweiten Krisen, die Unternehmen dazu zwingt, ihre Abläufe und Planungen in immer kürzeren Abständen anzupassen. Agilität ist die Fähigkeit einer Organisation, schnell auf neue Anforderungen reagieren zu können und zugleich relevante Produkte und Dienstleistungen mit hohem Kundennutzen zu entwickeln.

Video: Agile Grundlagen

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Auszug aus unserem Online-Training Agile Grundlagen

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