Klassisch versus AgilUnterschiede zwischen klassischen und agilen Methoden des Projektmanagements

Nichtmal ein Drittel aller klassisch geplanten IT-Projekte enden erfolgreich. Lt. der jährlich aktualisierten Chaos-Studie, erreichten 71% der im Jahr 2015 durchgeführten Projekte nicht das gewünschte Ergebnis. Der wirtschaftliche Schaden geht dabei in die Milliarden. Das Auftreten vieler Anforderungsänderung gehört zu den drei am häufigsten genannten Gründen, die zum Scheitern von Projekten führen.

Da viele Faktoren den Erfolg von Projekten beeinflussen, gibt es keine einfachen Antworten auf ein derart komplexes Thema. Aber es gibt Orientierungspunkte, die die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich steigern können. So beeinflusst z.B. die Art eines Problems, für das eine Lösung entwickelt werden soll, die Wahl des geeigneten Vorgehens. Aus diesem Grund ist es unerlässlich sich zuerst mit den Unterschieden zwischen komplizierten und komplexen Anteilen eines Problems zu beschäftigen.

Komplizierte Aufgaben können mit Wissen gelöst werden. Auch unbekannte Variablen, die sich berechnen lassen, gehören zu den komplizierten Anteilen einer Arbeit. Soll ein Softwareentwickler z.B. eine neue Programmiersprache lernen, handelt es sich um eine komplizierte Aufgabe, die er mit Zeit und ausreichend Übung lösen kann. Diese Aufgabe ist plan- und steuerbar.

Komplex ist eine Arbeit immer dann, wenn z.B. viele unbekannte Aufgaben mit sich ständig verändernden Parametern zu lösen sind. Die Entwicklung einer neuen Software ist beispielsweise sehr komplex, da sich Menschen involviert sind und sich dadurch Anforderungen im Projektverlauf häufig verändern können. Ein linearer Projektplan wäre relativ veraltet.

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Klassisches Projektmanagement folgt einem monolithischen Ansatz. D.h. es wird davon ausgegangen, dass man am Anfang eines Projektes einen definierten Endzustand beschreiben und den Produktionsprozess detailliert planen und fakturieren kann. Da Unplanbarkeiten in jedem Projektabschnitt auftreten können, wird idR auf das initial errechnete Zeitkontingent ein Pufferwert addiert. Damit existiert von Anfang an eine Unschärfe in der Planung, die gewöhnlich im Projektverlauf zunimmt. Durch einen höheren Ressourceneinsatz sollen entstandene Abweichungen später ausgeglichen werden. Nicht ohne negative Auswirkung auf Kostenkalkulation und Zufriedenheit der Projektbeteiligten.

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Der iterativ-inkrementelle Ansatz agiler Methoden fußt auf der Erwartung, nach jeder Arbeitsphase ein potentiell nutzbares Produktinkrement auszuliefern. Statt von Anfang bis Ende alle Arbeitsschritte durchzuplanen, wird eine Produktvision erstellt und ein priorisiertes Backlog mit allen bekannten Komponenten erstellt, welches die Produktvison kleinteilig beschreibt und jederzeit angepasst werden kann. Durch das frühzeitige Einbinden wichtiger Stakeholder, kurzer Planungs- und Umsetzungsphasen sowie ein kontinuierliches Neupriorisieren der zu erledigenden Aufgaben, werden Abweichungen schneller erkannt und mögliche Fehlentwicklungen frühzeitig, und dadurch auch kostengünstiger, korrigiert.

Klassisches Projektmanagement basiert auf einem standardisierten Vorgehensmodell das eine lineare und durch Meilensteine abgetrennte Abfolge von Projektphasen vorsieht. Ergebnisse, Kosten, Termine und Ressourcen werden am Anfang eines Projektes festgelegt. Änderungen in der Projektabwicklung werden möglichst vermieden, da sie aufwändige und oftmals kostspielige Projektanpassungen nach sich ziehen.

Agiles Projektmanagement basiert auf einer iterativ-inkrementellen Vorgehensweise. Nach jeder Iteration wird ein potentiell lieferfähiges Produktinkrement fertiggestellt. Der Erfolg agiler Methoden basiert u.a. auf hervorragender Teamarbeit, kurzen Feedbackschleifen, hoher Reaktionsfähigkeit bei Änderungswünschen und kontinuierlicher Prozessverbesserung. Mitarbeiter tragen eine hohe Eigenverantwortung.

Prozesse und Methoden sind nur dann effizient und erfolgreich, wenn das gewählte Vorgehensmodell zur Ausgangssituation passt und das Mindset der involvierten Menschen mit den Paradigmen der jeweiligen Methode harmoniert. Um die Auswahl einer geeigneten Methode zu erleichtern, sollten Sie sich vor Projektstart immer mit der Frage beschäftigen, welche Anforderungen existieren und mit welchem Wissen und unter welchen Bedingungen Lösungen erarbeitet werden sollen.

Fazit: Sowohl klassische als auch agile Ansätze haben ihre spezifischen Vorzüge. Sind die Anforderungen an ein Projekt geprägt von häufigen Änderungen, kurzen Planungshorizonten und einem hohen Forschungsanteil, überwiegen die Vorteile agiler Methoden deutlich. Sind Anforderungen, Ressourcen und Zeiten hingegen bekannt und ausreichend definiert, können auch klassische Methoden des Projektmanagements zum gewünschten Ergebnis führen. Allerdings sollte die Haltung der involvierten Menschen zum Setting passen. Wer vorher nur Erfahrung in klassischen Projekten gesammelt hat, braucht oft etwas Zeit, um sich an die neuen Bedingungen eines agilen Projektes zu gewöhnen. Umgekehrt fällt es Menschen mit einem agilen Background oft nicht leicht, wieder in klassischen Projekten nach dem Command & Control Paradigma zu arbeiten.

Weitere Informationen:

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