Unterschiede zwischen klassischen und agilen Projekten

Nur ein kleiner Teil aller klassischen Projekte wird erfolgreich beendet. Lt. der jährlich aktualisierten Chaos-Studie erreichten 86% der in den Jahren 2015 – 2020 durchgeführten Projekte nicht das gewünschte Ergebnis. Der wirtschaftliche Schaden geht dabei in die Milliarden. Das Auftreten vieler Anforderungsänderung gehört zu den drei am häufigsten genannten Gründen, die zum Scheitern von Projekten führen.

Da viele Faktoren den Erfolg von Projekten beeinflussen, gibt es keine einfachen Antworten auf ein derart komplexes Thema. Aber es gibt Orientierungspunkte, die die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich steigern können. Die Art eines Problems, für das eine Lösung entwickelt werden soll, beeinflusst die Wahl des geeigneten Vorgehens. Aus diesem Grund ist es unerlässlich sich zuerst mit den Unterschieden zwischen komplizierten und komplexen Anteilen eines Problems zu beschäftigen.

Komplizierte und komplexe Anforderungen

komplizierte vs. komplex

Komplizierte Aufgaben können mit Wissen gelöst werden. Auch unbekannte Variablen, die sich berechnen lassen, gehören zu den komplizierten Anteilen einer Arbeit. Soll ein Softwareentwickler z.B. eine neue Programmiersprache lernen, handelt es sich um eine komplizierte Aufgabe, die er mit Zeit und ausreichend Übung lösen kann. Diese Aufgabe ist plan- und steuerbar.

transi monolith -

Klassisches Projektmanagement folgt einem monolithischen Ansatz. D.h. es wird davon ausgegangen, dass man am Anfang eines Projektes einen definierten Endzustand beschreiben und den Produktionsprozess detailliert planen und fakturieren kann. Da Unvorhergesehenes in jedem Projektabschnitt auftreten können, wird idR auf das initial errechnete Zeitkontingent ein Pufferwert addiert. Damit existiert von Anfang an eine Unschärfe in der Planung, die gewöhnlich im Projektverlauf zunimmt. Durch einen höheren Einsatz von Mensch und Material sollen entstandene Abweichungen später ausgeglichen werden. Nicht ohne negative Auswirkung auf Kostenkalkulation und Zufriedenheit der Projektbeteiligten.

Lineares Projektmanagement

Klassisch: komplizierte Probleme, stabiles Umfeld

Klassisches Projektmanagement basiert auf einem standardisierten Vorgehensmodell das eine lineare und durch Meilensteine abgetrennte Abfolge von Projektphasen vorsieht. Ergebnisse, Kosten, Termine und der Personalbedarf werden am Anfang eines Projektes festgelegt. Änderungen im Projektabwicklung werden möglichst vermieden, da sie aufwändige und oftmals kostspielige Change-Requests nach sich ziehen.

Komplex ist eine Arbeit immer dann, wenn z.B. viele unbekannte Aufgaben mit sich ständig verändernden Parametern zu lösen sind. Die Entwicklung einer neuen Software ist beispielsweise sehr komplex, da sich Anforderungen im Projektverlauf häufig verändern können. Ein linearer Projektplan wäre in einem komplexen Projektumfeld schnell wieder veraltet.

transi mvpa1 -

Der iterativ-inkrementelle Ansatz agiler Vorgehensweisen wie Scrum fußt auf der Erwartung, nach jeder Arbeitsphase ein potenziell nutzbares Produktinkrement auszuliefern. Statt von Anfang bis Ende alle Arbeitsschritte durchzuplanen, wird eine Produktvision und ein priorisiertes Backlog mit allen bekannten Produktwünschen erstellt. Dieses Backlog kann jederzeit angepasst werden. Durch das frühzeitige Einbinden wichtiger Stakeholder, kurzer Planungs-, Feedback- und Umsetzungsphasen sowie ein kontinuierliches Neupriorisieren der zu erledigenden Aufgaben, werden Abweichungen frühzeitig erkannt und können mögliche Fehlentwicklungen schnell und kostengünstiger korrigiert werden.

Iteratives Projektmanagement

Agil: komplexe Probleme, dynamisches Umfeld

Agiles Projektmanagement nach Scrum basiert auf eine iterativ-inkrementellen Vorgehen. In jeder Iteration wird ein potenziell lieferfähiges Produktinkrement fertiggestellt. Der Erfolg agiler Vorgehen basiert u.a. auf hervorragender Teamarbeit, kurzen Feedbackschleifen, hoher Reaktionsfähigkeit und kontinuierlicher Prozessverbesserung. Die Mitarbeiter im Team managen ihre Arbeit selbst.

Die richtige Vorgehensweise für ein Projekt wählen

Je komplexer ein Projektumfeld ist, umso unwahrscheinlicher ist es, die drei Zielvorgaben in time, in budget, in scope zu erreichen. Daher ist es besonders hilfreich, die statischen und variablen Bedingungen am Anfang zu identifizieren und die eigentliche Projektplanung u.a. daran auszurichten.

variabel vs. statisch

Gibt es einen festen Liefertermin, bleiben Budget und Umfang variabel. Der Umfang ist bei zeitlicher Fixierung an die Leistungsfähigkeit der Entwicklung gekoppelt.

Sind Budget oder der Umfang fixiert, bleibt der Lieferzeitpunkt variabel. Unvorhergesehene Entwicklungen (Erkenntnisse, Probleme etc.) können den Liefertermin verzögern.

Die Stacey-Matrix im Projektmanagement

Prozesse und Methoden sind nur dann effektiv und erfolgreich, wenn das gewählte Vorgehensmodell zur Ausgangssituation passt. Um die Auswahl einer geeigneten Vorgehensweise zu erleichtern, solltest Du Dich vor Projektstart immer mit der Frage beschäftigen, welche Anforderungen existieren und mit welchem Wissen und unter welchen Bedingungen Lösungen erarbeitet werden können.

Diese Auswahl erleichtert Dir die Stacey Matrix. Sie teilt sich auf in eine horizontale und eine vertikale Linie. Auf der horizontalen Linie wird das Wie definiert. Also wie viel Wissen existiert bereits über z.B. die Technologien, mit denen gearbeitet werden soll. Auf der vertikalen Linie wird das Was definiert. Also wie viele der konkreten Anforderungen sind zum jetzigen Zeitpunkt wirklich bekannt und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Projektverlauf davon etwas verändern wird.

Stacey Matrix Projektmanagement
Online-Tool: Mit der Stacey Matrix die passende Vorgehensweise im Projekt finden.

Fazit: Sowohl klassische als auch agile Ansätze haben ihre spezifischen Vorzüge. Sind die Anforderungen an ein Projekt geprägt von häufigen Änderungen, kurzen Planungshorizonten und einem hohen Forschungsanteil, überwiegen die Vorteile agiler Methoden deutlich. Sind Anforderungen, Umfang und Zeiten hingegen bekannt und ausreichend definiert, können auch klassische Methoden des Projektmanagements zum gewünschten Ergebnis führen. Allerdings sollte die Haltung der involvierten Menschen zum Setting passen. Wer vorher nur Erfahrung in klassischen Projekten gesammelt hat, braucht oft etwas Zeit, um sich an die neuen Bedingungen eines agilen Projektes zu gewöhnen. Viele Menschen möchten nach einer agilen Transformation nicht mehr in klassischen Projekten nach dem Command & Control Paradigma arbeiten.

Video: Agile Grundlagen

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Das Video ist ein Ausschnitt aus dem Training Agile Grundlagen
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